Anfang der Woche haben alle Lehrer der Schule Laptops bekommen, also
fast alle... ich zum Beispiel nicht, da ich einen Schulrechner im
Apartment habe, und einige andere die keinen benötigen auch nicht.
Aber es werden wohl so 150 Stück gewesen sein, die angekommen sind,
und verteilt wurden.
Office-Laptops der Marke Lenovo (chinesische Marke) die durchaus
brauchbare Computer haben. Dieser jedoch ist rein zum arbeiten
gedacht, und er zeigt es auch wenn er mal videos abspielen soll,
oder wenn man auf Videoportalen surft. Viele der Lehrer haben
zuhause keinen PC, hier gilt so was immer noch als Luxusgut, und
wofür braucht man den schon, wenn hier jeder ein internetfähiges
Handy hat.
Das Foto oben stammt von eine Middle-School in der Jiangxi Provinz,
wo es nun schon etwas kühler ist. Schüler die sich nicht benehmen
können, werden stumpf vor das Klassenzimmer verbannt, wo es nicht
mehr so warm ist. In Deutschland nicht vorstellbar, aber hier sind
die Schulen und Schüler eben anders. Was mache ich mit meinen
Störenfrieden? Wenn jemand im Unterricht pennt, was soll man tun?
Am besten nicht drum kümmern, wenn ich ihn/sie aufwecke wird das die
Teilnahme am Unterricht nicht verbessern. Handys werden einkassiert,
genauso wie Hausaufgaben die im Unterricht gemacht werden.
Quasselköppe bringt man gut zum schweigen indem man ihnen sagt, wenn
sie so gern ihre Stimme gebrauchen wollen, dann bitte, sing ein
Lied. (Ode to the Motherland höre ich sehr gerne :) )
Mittlerweile haben auch alle Klassenräume Multimedia Equipment, d.h.
Fernseher und Soundsystem.
Über meinen Schulrechner könnte ich theoretisch etwas vorbereiten,
dann auf den Server schicken, und vom Klassenzimmer aus abrufen.
Praktisch, aber irgendwie zieh ich es vor meinen eigenen Laptop
mitzuschleppen, wie oft braucht man auch mal etwas womit man nicht
gerechnet hat.
Privat habe ich ein neues Portal entdeckt, wo es viele deutsche
Filme gibt, auch schöne alte s/w Streifen, alte Krimis, etc. Also ich
bezweifle das ich meine Lesezeichenliste abarbeiten kann, so voll
ist die, und beim stöbern wandert immer wieder ein neuer Film da
rein. Für Unterhaltung ist also gesorgt.
In Foshan - Guangdong Provinz passierte am 13.10.2011 etwas, was ganz
China schockte. Eine Überwachungskamera nahm auf, wie ein Autofahrer
ein 2-jähriges Mädchen überfuhr, dieses dann zwischen Vorder- und
Hinterachse auf der Straße lag und der Fahrer nach kurzem
"Überlegen" weiterfuhr und die Kleine auch mit der Hinterachse
überrollte.
Die Fahrerflucht ist nicht das schlimmste was die Gemüter erregte,
sondern die zahllosen Passanten die einfach an dem Kind
vorbeifahren/-laufen und sich nicht kümmern.
Sehr wahrscheinlich hast Du davon schon in den deutschen Medien
gehört.
Yue Yue starb kurze Zeit später in einem Krankenhaus, nachdem Ärzte
versucht haben Ihr Leben zu retten, was aufgrund der schwerwiegenden
Verletzungen jedoch ein aussichtsloser Kampf war.
Das eigentliche, kommentierte Video beginnt bei 0:20
In deutschen Medien wird gerne von der "Zensur" in China berichtet,
umso "erstaunlicher" ist es das der Fall öffentliche Debatten zur
Folge hat, Online-Abstimmungen und Meinungsbilder.
In China wurde in der Vergangenheit leider viel zu oft der Helfer
beschuldigt, und dies führt dazu, dass sich viele Chinesen nicht
verpflichtet fühlen zu helfen. Auch gibt es hier kein Gesetz was
unterlassene Hilfeleistung bestraft.
Von der ChinaDaily wurde eine
Online Abstimmung ins Leben
gerufen, ob China ein solches Gesetz einführen sollte. Zum Zeitpunkt
des Beitrages betrug Pro 46% und Contra 54%, was die Frage aufwirft:
Warum denkt ihr so? Andererseits könnten die Eltern wegen
unterlassener Aufsichtspflicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Auch Kommentare auf ChinaDaily zeigen den Zwiespalt in der
Bevölkerung zu dem Thema:
Editor surnamed Guan: We should try our best to help others who are
in need. Moral is not law (Wir sollten stets unser Bestes versuchen
um anderen zu helfen. Moral kann man nicht per Gesetz festlegen)
GuoFugui&ChengXingfu: If the first passer-by saved Yue Yue... But it
is too late to say "if".(Wenn der erste Passant geholfen hätte....
Aber es ist zu spät "hätte" zu sagen)
Kanzhenishuaku: Where are the hit-and-run drivers? I haven't read
any news about them.(Was ist mit den Verursachern des Unfalls? Ich
habe keine Neuigkeiten gelesen!)
Yuyunalan: How can the parents let a two-year-old girl to walk on
the road alone? (Wie können Eltern ein zweijähriges Kind alleine auf
die Straße lassen?)
Du siehst also, das Thema entfacht Emotionen und
Grundsatzdiskussionen wie in Zukunft damit umgegangen werden soll.
In China gibt es eine großflächige Abdeckung von Notrufsäulen in
Ballungszentren, hier in Xiapu steht alle 50 Meter eine, ausgerüstet
mit einer Verkehrsüberwachungskamera, einer Sprech- und
Sichtverbindung (Kamera) zum nächsten Polizeirevier, bzw. zu einer
"Polizeibox" welche an größeren Kreuzungen stehen. Hier kommt man
schneller an die Polizei ran als in Deutschland (wenn man keine
andere Möglichkeit hat, z.b. Mobiltelefon). Und trotzdem ist so
etwas passiert.
Ich habe mir Gedanken gemacht und eigentlich dürften wir nicht
einmal mit dem Finger auf Andere zeigen, weil in unseren U-Bahnen
passieren Morde vor den Augen anderer Passagiere ohne das sie
einschreiten, und wenn man mal mit offenen Augen durch die Straßen
geht sieht man das Zivilcourage in Deutschland mittlerweile auch
klein geschrieben wird. Fahrerflucht geschieht in Deutschland
genauso, wobei unsere Strafen längst nicht so hart sind wie hier
(dem Fahrer droht nun die Todesstrafe).
Aber warum schauen die Chinesen weg? Einmal natürlich um nicht
selber in der Schusslinie zu stehen, andererseits darf man nicht
vergessen das die letzten Jahrzehnte davon geprägt waren möglichst
wenig aufzufallen. Wer herausragt aus der Masse begibt sich in
Gefahr. Nur China hat sich gewandelt und das müssen einige erst
einmal noch begreifen.
Würde ich helfen wenn ich so etwas sehen würde? Ja! Selbst wenn mir
das im nachhinein schaden würde, könnte ich es nicht mit meinem
Gewissen vereinbaren. Was denkst Du zu dem Thema?
In Chats werde ich manchmal gefragt warum ich diesen Schritt gemacht
habe. Jeder kann Dir die Pro und Contra Punkte des Berufes
aufzählen, sei es für einen Lehrer in Deutschland, oder für einen in
China, die nehmen sich nicht viel:
Pro:
- Man hilft Kindern/Jugendlichen Wissen zu vermitteln
- Man nimmt einen hoffentlich positiven Einfluss auf ihr Leben
- Man tut etwas gutes mit seinem Beruf
- (und gerade Frauen:...) können Problemschülern helfen und
motivieren
Contra:
- Stress mit den Schülern
- hohe Arbeitsbelastung
- auch außerhalb der Schule ist man immer noch Lehrer
- schlecht bezahlt
Und nun kommt die harte Realität die viele vielleicht von den Socken
haut. Ich nehme mir erst einmal Pro vor:
Man hilft Kindern/Jugendlichen Wissen zu vermitteln? Nein! Das
sollte nicht die Aufgabe eines Lehrers sein. Ein guter Lehrer sollte
Schülern zeigen wie man eigenständig lernt, sie darin motivieren und
Hilfestellung geben.
Man nimmt einen hoffentlich positiven Einfluss auf ihr Leben? Tut
man nicht, zumindest sollte man sich das nicht zum Ziel setzen. Wenn
einzelne Schüler ein Vorbild suchen, und nun gerade ihren Lehrer
auswählen ist das ihr Ding. Man kann aber nicht eine ständige
Vorbildsfunktion haben, dafür sind wir alle zu menschlich, und man
sollte sich dessen bewusst sein. Niemand ist vollkommen, und mit
dieser Einstellung sollte man seinen Schülern begegnen.
Man tut etwas gutes mit seinem Beruf. Hmmmm... ja, ich glaube auch
noch an Märchen. Fakt ist das es in den meisten Ländern eine
Schulpflicht gibt, und Schüler nun mal zur Schule gehen müssen, und
dort nun mal Lehrer sein müssen. Man tut weder etwas gutes noch
schlechtes, sondern erfüllt nur seinen Arbeitsvertrag.
Man kann Problemschülern helfen und sie motivieren. Von wegen,
selbst in einer deutschen Klasse mit nur 30 Schülern ist das nicht
möglich. Es ist auch gar nicht die Aufgabe des Lehrers sich mit
persönlichen Problemen derart intensiv zu befassen. Leider denken
viele Lehrer das auch ein Psychologe an ihnen verlorengegangen ist,
was meiner Meinung nach in Deutschland zu einer Generation von
"Weichei"-Lehrern geführt hat. Dementsprechend tanzen denen die
Schüler auf der Nase rum.
Jetzt aber mal zum Contra:
Stress mit den Schülern. Hebt sich auf wenn man obige Punkte
befolgt, bzw. hält sich in Grenzen. Warum soll man sich groß über
irgendwelche Sachen aufregen. Die Prügelstrafe ist in China nicht
mehr gebräuchlich, aber einen Besuch beim zuständigen Lehrer mit den
Eltern wollen alle vermeiden. Natürlich ist dies die letzte Instanz,
vorher wird verwarnt, und dann gibt es eine Kollektivstrafe. Den
Rest regelt die Klasse unter sich.
Hohe Arbeitsbelastung. Das stimmt, weil wenn man sich gut auf jede
Stunde vorbereitet dann geht für eine Schulstunde mindestens 1
Stunde Vorbereitung bei drauf, sei es eine Präsentation zu
erstellen, Sachen zu recherchieren, oder allgemein die Stunde im
Vorfeld zu planen.
Auch außerhalb der Schule ist man immer noch Lehrer. Ja, das ist
man, und in China wird dies höher bewertet als in Deutschland. Augen
sind überall, und wenn man mal einen über den Durst trinkt wissen
das am Montag alle Schüler. Es ist ein bisschen nervig, aber da kann
man nichts machen.
Schlechte Bezahlung. In Deutschland jammern die Lehrer ja immer.
Allgemein sind wir Europäer viel zu verwöhnt, daher auch obiges
Bild, welches bezüglich der chinesischen Finanzspritze für die EU in
einer Zeitung veröffentlicht wurde. Die Lehrer verdienen in China
zumindest nicht gut, aber auch nicht schlecht. Ich als Ausländer
verdiene bei weitem mehr, so das ich mich überhaupt nicht beklagen
kann, selbst die Hälfte würde noch mehr als genug zum leben reichen.
Nachdem ich mich nun lang und breit über Pro und Contra ausgelassen
habe, zurück zur ursprünglichen Frage: Warum Lehrer?
Und die Antwort ist so simpel wie man es sich vorstellen kann: Es
ist ein Job, ich kann ihn machen, ich werde dafür bezahlt. Ende aus.
Keine Ideale, Rettung von Menschenseelen oder sonstiger Mist. Es ist
ein Beruf wie jeder andere auch.
Im letzten Beitrag schrieb ich Dir das ich mich schon ganz gut
eingelebt habe. Ich glaube sogar man kann sagen das sich eine
gewisse Routine eingestellt hat, der Mensch ist ja ein
Gewohnheitstier. Unter der Woche läuft so ziemlich alles nach Plan,
Unterrichtsstunden, Vorbereitungen, kontrollieren von Hausaufgaben.
Die meiste Zeit benötige ich für meine Deutschklassen, da ich diese
3 mal in der Woche habe, während ich bei den englisch Stunden nur
alle 2 Wochen ein neues Thema anfangen muss, da ich sozusagen mit
dem Thema durch die Klassen tingel. Das macht den englisch
Unterricht ziemlich einfach.
Beim Deutschunterricht muss ich aber für jede Woche 3 Doppelstunden
vorbereiten, und wenn man sich ernsthaft mit der deutschen Sprache
beschäftigt, merkt man erst wie kompliziert diese doch ist. Aber
nach den Ferien war ich erstaunt wieviel doch bei den Schülern
hängengeblieben ist, und man merkt das es ihnen Spaß macht. Am
Freitag werden sie einen Test schreiben, den ich ausgearbeitet habe,
und das ist der erste benotete Test, mal schauen wie sie
abschneiden.
Man sieht also das im Fach Deutsch eine Menge Arbeit steckt. Aber es
macht Spaß. Mittlerweile habe ich auch das Geld von der Company in
Beijing erhalten, und in China ist es sehr einfach seine
Bankgeschäfte an der ATM (am Automaten bzw. Automatic Teller Machine)
zu erledigen. Alle Banken haben chinesisches und englisches Menü, so
das man selbst an einer ATM in einem Dorf zurecht kommen wird.
Lustigerweise ist es nicht gestattet das Konto komplett zu plündern,
sondern es muss immer ein Guthaben draufbleiben. Niemand konnte mir
sagen wie viel, aber ich schätze es auf 50 Yuan. Ich werde es beim
nächsten Mal austesten.
Warum sollte ich das Konto plündern? Es ist so das ich bei der
lokalen Bank ein Konto errichtet habe, und das Geld von der
Construction Bank of China zur Postal Bank of China transferieren
wollte, so das ich mich nur noch um ein Konto kümmern muss.
Kann man das ganze Geld überhaupt ausgeben? Definitiv. Wie schon
vorher einmal geschrieben, man kann hier sehr günstig leben, oder
auch sehr teuer. Anfang der Woche haben wir bei Taobao (siehe
letzter Beitrag) Klamotten und anderes Zeug bestellt, und insgesamt
kamen wir dann auf 130 € umgerechnet. Ab und zu kann man das
schon mal machen, ich kauf ja auch nicht jeden Monat Winterklamotten.
Die Erfahrung die ich hier mache ist eine ganz andere als die eines
Ausländers der wie ein Ausländer aussieht. Auf der Straße kümmert
man sich nicht wirklich um mich, da ich aussehe wie ein Chinese,
oder zumindest wie ein Asiat. Aber da die Chinesen doch sehr
unterschiedlich aussehen können, werde ich oft für einen gehalten.
Bis ich den Mund aufmache. Dann kommen die neugierigen Blicke. Ein
Ausländer würde normal überall angeschaut werden, und jeder Schritt
würde beobachtet werden. Diese Erfahrung werde ich zum Glück nie
machen müssen, aber ich denke mal das führt sehr stark zur Stufe 4
folgender These:
1. Ankunft (alles ist toll, endlich ist man da)
2. Kulturschock (oh mein Gott! Alles ist so anders)
3. Akzeptanz (Naja, es ist ja auch ein anderes Land)
4. Ignoranz (Aber auf Dauer komme ich damit nicht klar)
5. Assimilation (Doch komm ich)
Diese 5 Punkte wurden uns bei dem Lehrgang in Beijing erzählt. Und
sie treffen auf jeden zu der nicht nur zum Urlaub hierherkommt.
Jeder macht diese Phasen durch, nur der Zeitabstand ist individuell.
Ich hatte im Urlaub einen kleinen Anflug von Phase 4.
Was kann man da machen? Folgendes hat bei mir funktioniert. Ein paar
deutsche Filme schauen, mal 1-2 Tage nicht rausgehen, deutsches oder
westliches Essen. Schwupps war die Welt wieder in Ordnung. In
Zukunft habe ich jeden Sonntag meinen "deutschen Tag", wo ich mir
etwas leckeres koche, und halt einfach nur "deutsch" bin.
Zum kochen: Hier findet man das meiste was man auch bei uns im
Supermarkt findet, aber die kleinen Helferlein wie Fertigsoßen,
Instantsachen, etc. etc. gibt es natürlich nicht. Von daher lernt
der Micha nun auf die alte Art und Weise kochen und es klappt ganz
gut.
Mein 2. Gericht was ich probiert habe war eine Suppe. Dafür habe ich
Hähnchenfleisch mit Knochen erst einmal ausgekocht, gewürzt und
danach kam Gemüse etc. rein. Sie schmeckte natürlich nicht wie Suppe
bei Großeltern, und auch nicht wie Erasco Eintopf, aber mir
schmeckte sie sehr gut, vielleicht auch weil es halt komplett
selbergemacht war (und sooooo günstig, alle Zutaten haben 2,50 €
zusammen gekostet)
Das Gästebuch wird ja leider kaum benutzt, genauso wenig wie die
Rubrik "schreib mir". Das ist auch der Grund weshalb ich fast jeden
Abend heulend im Bett liege, unzufrieden mit der Welt. Vielleicht
kannst du mir ja ein paar Rezepte schicken, die du kennst, wo man
nur Grundzutaten benötigt? Dann könnte ich ruhig schlafen, und auch
mit vollem Bauch.
"Hello Michael!", diese Worte höre ich täglich hunderte von Male,
und zu Anfang war es noch ganz schön, mittlerweile nervt es. Hier
mal ein Auszug aus meinem täglichen Leben in China.
Unter der Woche arbeite ich, und mein Arbeitsweg ist
glücklicherweise ziemlich kurz. Von Montag bis Freitag habe ich
insgesamt 16 Stunden Unterricht, wovon 6 Stunden Deutschunterricht
sind. Die Schüler sind eigentlich alle ganz ok, es gibt zwar einige
die dem Unterricht nicht folgen wollen, aber die gibt es wohl
überall.
An den Abenden und an den Wochenenden unternehme ich oft etwas mit
anderen Lehrern, oder auch mal mit ein paar Schülern. Berge
besteigen ist hier ganz groß im Rennen, und man kann auch eine tolle
Aussicht genießen.
Mittlerweile habe ich hier das Mid-Autumn Festival miterlebt, wo in
der ganzen Stadt eine große Party war, und den "Lehrertag" wo die
Schüler den Lehrern Geschenke machen, und Ihnen für das Schuljahr
danken. Ich war noch nicht mal ein Jahr da, hab aber auch etwas
bekommen.
Ich habe mich nun ganz gut eingelebt, und meinen Rhythmus gefunden.
Am Wochenende geht´s in die Supermärkte einkaufen, und man ruht sich
aus. Teilweise ist es schon etwas stressig, weil ich für die
Deutschstunden keine großartigen Unterrichtsmaterialien habe, und
jede Stunde selber vorbereiten muss. Und bei 3 Doppelstunden die
Woche ist das schon ein Stück Arbeit. Außerdem muss ich Hausaufgaben
korrigieren, und Tests schreiben. Beim Englischunterricht ist es
einfacher, da macht man die selbe Stunde immer wieder, 2 Wochen am
Stück, und dann kommt das nächste Thema.
Außerdem habe ich auch mein erstes Gehalt bekommen, das von der
Schule, welches 3.500,- Yuan beträgt. Am 10. jedes Monats bekomme
ich dann noch mal 3.000,- Yuan. Somit bin ich bei einem Gehalt von
650,- bis 700,- Euro im Monat, das dreifache des normalen Lehrers
hier, und muss nicht mal Miete bezahlen, und kann in der Kantine
essen.
Aber natürlich kaufe ich mir auch mal eigene Sachen, hier mal ein
paar Preise aus China:
Schachtel Zigaretten (20 Stück) 15 Y
Mikrowellenfertiggericht............ 10 Y
Weißbrot ..................................3,40 Y
Flasche Wasser........................ 1 Y
2 Liter Cola............................... 6 Y
DVD (Fake) ........................5 - 10 Y
Burgermenü im Fastfood Rest... 22 Y
Taxifahrt in der Stadt ..................5 Y
Busfahrt in der Stadt ..................1 Y
Schokolade (große Packung) ....45 Y
Honig ......................................23 Y
Essen im Rest. (6 Leute) 150 - 300 Y
Einige Sachen sind teurer als in Deutschland, andere wiederum
unschlagbar günstig. Das Verhältnis ist allerdings nicht gleich,
Essen ist zum Beispiel sehr günstig, Elektrogeräte auch, aber Sachen
wie Schokolade, Kaffee, Kakao, Marmelade sehr teuer. Ab und zu kann
man sich das aber mal leisten, ich esse ja nun nicht jeden Tag
Weißbrot mit Marmelade.
Vor einer Woche haben wir den Papierkram mit den örtlichen Behörden
geregelt. Ich habe aus Beijing meinen Pass mit dem Visum bekommen,
und damit sind wir zur Polizei um die Anmeldung zu machen. Am
gleichen Tag haben wir auch noch ein Konto bei der lokalen Filiale
der "Postal Savings Bank" eingerichtet. Ich habe zwar ein Konto bei
der "Construction Bank" aber das wurde in Beijing gemacht, und wenn
ich mal Probleme mit denen haben sollte, können die hier in der
Filiale vor Ort nichts machen. Dann müsste ich ganz nach Beijing...
auch wenn die Karte kaputt sein sollte. Das wollen wir natürlich
nicht. Das erste Gehalt lass ich nun noch auf die Construction Bank
überweisen, für das nächste kriegen die meine neuen Kontodaten.
Nachdem die Anmeldung erledigt war, musste eine Lehrerin für mich
noch zum PBS (Public Security Bureau) bei denen auch Papierkram zu
erledigen ist. 2 Tage später tauchte dann in der Schule ein Beamter
des PBS auf, und stellte dem Direx ein paar Fragen. Aber es schien
alles in Ordnung zu sein.
Nun wird es langsam etwas kühler hier, eigentlich ist es in Xiapu
wie in Deutschland nur immer ein paar Grad wärmer. Im Winter geht´s
auf den Gefrierpunkt runter. Dazu kommt das es hier meist sehr
windig ist. Ich werde mir daher bei www.taobao.com Winterklamotten
bestellen. Das ist sowas wie Amazon. Sogar deutsche Bücher haben
die.
Nun genieße ich erst einmal die freie Woche, da Nationalfeiertag
ist, und 7 Tage frei sind.
Hier möchte ich Dir mal von meiner ersten Woche berichten, von den
Eindrücken und meinen Erlebnissen.
Am Montag wurde ich von den Hähnen neben der Schule geweckt. Ich hab
mich dann ganz normal geduscht, und mir einen Kaffee gemacht, und
schaute durch mein Fenster auf das Schultor. Massen von Schülern
strömten herein. Massen!
Ich ging dann um 7:15 zum Apellplatz, dem späteren Sportplatz, der
momentan noch eine reine Baustelle ist. Ich traf Mr. Wang und Mr.
Fang, und nach und nach kamen immer mehr Lehrer hinzu, ca. 200. Ein
Signal ertönte, und die Schüler stoben aus dem Gebäude hinaus, um
Aufstellung zu nehmen, und dann wurde die Nationalhymne gespielt.
Danach wurde eine Wochenansage für die Schüler gemacht, und die
Lehrer verteilten sich auf die Lehrerzimmer. Ich sollte mich bei 2
Klassen vorstellen, ein bisschen reden, das wars. Kein richtiger
Unterricht.
Ich ging in eine Senior 1 Klasse, das sind 16 jährige, und nach
tosendem Applaus begann ich ein wenig von mir zu erzählen. Es stellte
sich jedoch heraus das man schlecht 45 min. nur von sich labern
kann, also hab ich mit Ihnen ein paar Sportarten durchgenommen. Ich
bemerkte das mein englisch aber zu hoch für die is. In der nächsten
Klasse habe ich es dann mit Tieren versucht. Tierarten,
Pflanzenfresser, Fleischfresser etc., das ging schon besser.
Ich habe jeden Tag morgens 2 Klassen gehabt, da der Unterrichtsplan
noch nicht aufgestellt worden ist, und eigentlich sollte ich noch
gar nicht arbeiten, aber ich hab dem Direx gesagt das ich hier sonst
vor Langeweile eingehe. Also habe ich jeden morgen 2 Klassen.
Den Nachmittag vertreibe ich mir meistens im Büro von Herrn Wang mit
Tee süffeln, oder ich latsch über den Campus und laber mit
Schülern, nach dem dritten Tag fassten sie nämlich Mut und kommen
auch mal auf mich zu. Am Mittwoch habe ich vor 4 Klassen der Senior
3 Stufe (18 Jahre) wieder ein wenig von mir erzählt, diesmal mit
Powerpoint Unterstützung.
Am nächsten Abend kamen sogar 4 von denen auf nen Sprung in meine
Wohnung vorbei, um ein wenig zu üben, mir machte das nichts aus.
Allgemein muss ich sagen das der Person des Lehrers hier sehr viel
mehr Respekt gezollt wird, als dem deutschen Lehrer. Allein wenn
jemand nur 2 Minuten zu spät zum Unterricht kommt, verbeugt er/sie
sich, und labert einen kurzen Spruch. Ich lass sie das immer tun, 2
Minuten stören mich eigentlich nicht, aber warum mit den Normen
brechen.
Abends gehen wir meistens in die Stadt was essen, Xiapu ist eine
Stadt am Meer, und daher gibt es hier richtig leckeres Essen.
Mittags gehe ich meistens in die Kantine, aber einmal bin ich auch
zum Fake-KFC gegangen.
Am Freitag war Lehrertag, und die Schüler haben den Lehrern
Geschenke gemacht und abends gabs ein großes Fest. Die meisten
männlichen Lehrer waren stramm wie die Heringe, und eigentlich
unterscheidet sich das hier nicht so sehr von unseren Festen. Kleine
Kinder sind gelangweilt und bauen scheiße, einer aus der Menge is so
voll das Ihn andere nach Hause fahren müssen, und die Damen labern
nur über Mode, oder ziehen über andere her.
Irgendwie ist es doch überall gleich.
Ich habe einigen Schülern meine QQ Nummer gegeben (ist der größte
Messenger, auch wenn bei uns nicht bekannt, aber durch die Zahl der
chinesischen Nutzer, naja,.....) und hatte dann nach 48 Stunden 176
Einladungen. Ist nun immer ein bisschen stressig wenn ich da on
gehe.
Fazit nach einer Woche?
Man liest vieles über die Chinesen, gutes und schlechtes. Und ich
kann nun nur über die Einwohner von Xiapu berichten. Es sind
herzensgute aufrichtige Menschen, die einen mit offenen Armen
empfangen. Die neugierig auf andere Kulturen sind, und sich riesig
freuen wenn man Ihr Essen mag. Es sind einfache aber stolze
Menschen, und so ganz anders als die Einwohner Pekings. Es ist zwar
kein Dorf, aber ich glaube ich bin dem wahren China hier ein Stück
näher gekommen.
Als allererstes ein großes "Sorry" für die lange Pause, aber es
waren sehr stressige Tage.
Stehengeblieben war ich bei meinen Ausflügen in Beijing. Ich habe
danach mit Will aus England und Lucy aus Australien nen kleinen
Nachtausflug gemacht. Will und Lucy sollten auch für die Agentur
arbeiten, allerdings ist nur Will übriggeblieben, da Lucy eine
verzogene 19 jährige Rotzgöre ist, und im einvernehmen mit der
Agentur der Vertrag aufgelöst wurde.
Ich bin dann am 28.Aug. ins Foreign Experts Building gewechselt, ein
Hotel welches sich auf Seminare und Tagungen spezialisiert hat.
Allerdings waren außer unserem Kurs kaum "Foreigners" da. Der Kurs
wurde von Chuck geleitet, einem Dozenten an der drittbesten
Universität von China. Die Kursteilnehmer kamen größtenteils aus den
U.S. aber auch eine Mexikanerin und ein Italiener waren dabei.
Im Kurs lernten wir alles Mögliche, zum Beispiel die Unterschiede
zwischen westlichen und chinesischen Klassenzimmern, die
Lernmethoden die hier angewendet werden (sollten) und sehr viel über
Land und Kultur.
Am Ende gab es ein Examen, welches ich mit 87% bestanden habe. Das
Examen ist nicht unbedingt notwendig, aber die Schulen freuen sich
wenn ein Lehrer das hat.
In ein paar Tagen wird es mir zugeschickt werden, mit dem Foreign
Experts Certificate, welches man zum arbeiten in China haben sollte.
Am Sonntagabend noch wechselte ich in mein altes Hotel, da es sehr
viel günstiger war. Dort traf ich auf Alicia, einer Spanierin,
welche im selben Verein arbeiten sollte. Sie war vorher
Englischlehrerin in Spanien, und mit Ihren 34 Jahren ein recht
flotter Feger. :)
Am Montag fuhren wir zusammen zum Büro (mittlerweile kenn ich mich
schon gut aus in der Gegend) und dort erfuhr ich nun endlich welche
Schule es sein sollte. Die 7. Mittel- und Hochschule in Xiapu,
Fujian Provinz.
Fujian liegt gegenüber von Taiwan, also ein ganzes Stückchen
südlich. Bevor es losgehen konnte mussten wir aber noch die
Visaangelegenheit klären. Wir fuhren zum Public Security Bureau
Beijing (wörtlich übersetzt heißt es wohl "Volkssicherheitsamt", es
ist aber ähnlich einer Meldestelle) und ich durfte meinen Pass
abgeben, und bekam dafür ein chinesisches Dokument welches mein
neues Ausweisdokument darstellt. Zumindest bis sie mir meinen Pass
zuschicken, was schon mal 1,5 Wochen dauern kann.
Alicia kommt nach Ningbo, ca. 4 Zugstunden entfernt von mir, wer
weiß vielleicht trifft man sich ja mal.
Da die Züge aufgrund des bald stattfindenden Mid-Autumn Festivals,
oder auch Mondkuchenfest, ausnahmslos ausgebucht waren, blieb nichts
anderes übrig als den langsamen Nachtzug am Freitag zu nehmen. Der
Schnellzug braucht ca. 13 Stunden, der langsame 19 Std., und dabei
hat der nur 3 Stops.
Die Zugfahrt selber war ganz ok, es waren ja Schlafwagen.
Netterweise hat der junge Mann der unter mir liegen sollte mit mir
gewechselt, sei es aus Angst, das die Konstruktion mein Gewicht
nicht hält, oder aber aus Höflichkeit. Wir unterhielten uns, sein
Englisch war sehr schlecht, aber es gelang uns trotzdem uns zu
verständigen. Es stellte sich heraus dass er für die größte
Werbefirma in China arbeitete, und ich kannte viele der Marken die
er mir nannte. Von Getränken bis zu Nudelsuppen. Wir tauschten
Nummern aus, wieder eine Verbindung mehr.
Die Fahrt verlief ereignislos, bis auf die Tatsache das man endlich
mal aus Beijing rauskam und Natur sehen konnte. Ich kann nun sagen:
Ich hasse Beijing! Es ist laut, dreckig, und vielerorts sind die
Leute unfreundlich.
Angekommen in Fuzhou sollte mich ein Lehrer abholen, da Xiapu
nochmal 2 Autostunden entfernt liegt. Empfangen wurde ich von 3
Leuten. Herr Wang, der Schuldirektor, Hr. Fang, der Vizedirektor und
"Snow" (komischer Name nech?) eine Englischlehrerin, und zugleich
Parteimitglied :D. Der Empfang war herzlich, und ich war überwältig
von der Freundlichkeit dieser 3. Draußen wartete Lehrer Nummer 4
(Name vergessen, aber er unterrichtet Geografie) bei einem Kleinbus,
und wir fuhren los. Snow und ich unterhielten uns dann ein wenig,
das übliche Geplänkel und Fragen stellen. Unterwegs stiegen 2
weitere Lehrer ein, die jüngere hatte einen Garnelenschwanz zwischen
den Zähnen, und mehrere Tüten, ich denke mal sie haben die
Gelegenheit genutzt um in der Stadt shoppen zu gehen.
Wir fuhren dann erst mal in ein Restaurant, das Essen war köstlich,
teilweise ziemlich merkwürdig und undefinierbar, aber lecker.
Natürlich musste ich auch Bierchen mittrinken.
Danach ging es nördlich Richtung Ningde. Xiapu liegt ca. 30 KM
entfernt.
Als wir angekommen waren, sah ich wie groß diese Schule ist. Sie ist
immer noch eine halbe Baustelle, da die Renovierungsarbeiten noch
nicht abgeschlossen sind, aber sehr schön.
Eines der 5 Gebäude ist die Schulverwaltung, und im 4. Stock
befindet sich mein ca. 50 qm großes Apartment. Ich bewunderte es
erst einmal, und schwupps waren 15 Mann in der Bude, 3 waren
beschäftigt den PC auszupacken und ans Netzwerk anzuschließen, die
Damen haben mein Bett bezogen und die Küche hergerichtet,
Bauarbeiter kamen, da die Klimaanlage nicht lief, und im Bad waren
auch einige am werkeln. Anstatt mich also ausruhen zu können, hörte
ich zu und nickte immer freundlich.
Als alles fertig war, war es schon 18 Uhr, und ich war am Tag davor
um 13 Uhr von meinem Hotel weg, hatte nicht wirklich geschlafen, und
war auch nicht wieder auf dem Töpfchen. Aber es sollte noch
Abendessen geben. Insgesamt 12 Lehrer (wohl die wichtigsten, da hier
ca. 190 Lehrer sind, bei ca. 2300 Schülern)
Vorher zeigten mir Snow und Mr. Wang aber noch einen Teil der
Schule. Leider ist noch kein Multimedia Equipment da, das heißt
erstmal hab ich nur die normale gute alte Tafel. Aber das soll kein
Hindernis sein.
Ich sprach auch mit ein paar Schülern, und konnte mir einen Eindruck
vom Englischlevel machen. Es ist sehr gering, viel Arbeit.
Nun ging es aber zum Restaurant, und es wurden wieder diverse
Gerichte aufgetischt, hauptsächlich Meeresfrüchte, da Xiapu am Meer
liegt.
Es gab Frosch, Fischlaichsuppe, Fischkopfsuppe und noch einige
normalere Gerichte. Ich kostete von allem, und das schien Herrn Wang
zu beeindrucken. Es wirkte sichtlich erfreut.
Es tut nur gut sich mit dem Direx gut zustellen, wie ich dann auch
merkte, da er fragte ob ich einen Fernseher benötigen würde. Ich
verneinte, das chinesische Fernsehprogramm ist nicht so mein Fall,
da schaue ich lieber übers Internet.
Auch freute er sich das ich mir Mühe gab chinesische Phrasen zu
erlernen, eine schien ich wohl besonders gut ausgesprochen zu haben,
denn der ganze Tisch klatschte. Schon komisch der Ehrengast zu sein.
:D
Danach brachte mich Snow, eine Kollegin und Ihr Sohn nach Hause. Wir
kauften unterwegs noch ein paar Früchte und was zu essen, und gegen
21 Uhr war ich endlich angekommen.
Am nächsten Morgen.....
... habe ich mich erst einmal häuslich eingerichtet (Fotos kommen
noch). Danach bin ich in den nächsten Supermarkt und hab mir noch
ein wenig trinken gekauft. Es ist hier wärmer, und schwüler als in
Beijing, und das schon morgens um 8 Uhr. Danach habe ich mich mal
rangesetzt um der Beitrag zu schreiben, und abschließend kann ich
nur sagen, das ich sehr glücklich bin, das alle hier sehr sehr
hilfsbereit und nett sind, und ich glaube mich hier sehr wohl fühlen
zu können.
Natürlich habe ich einige Details im Bericht weggelassen, man kann
nicht mal eben so 2 Wochen in ein paar Sätzen zusammenfassen. Aber
von nun an kann werde ich wöchentlich schreiben, und vielleicht ab
und zu Rückblenden machen, so das Du erfährst was noch so alles in
den 2 Wochen passiert ist.